Die Berliner Schule der Gestaltpsychologie

 

Die Gestaltpsychologie der Berliner Schule (Wertheimer, Köhler, Koffka, Duncker, Metzger) hat eine Theorie entwickelt, die ein besseres und tieferes Verständnis einsichtigen Lernens ermöglicht.

Die Gestaltpsychologie nimmt an, dass Ganze (auch: Gestalten) Grundeinheiten des Psychischen sind. Ganze sind nichtelementare Gebilde, die ein Sinnprinzip verwirklichen. Die phänomenale Welt enthält viele Ganze (z.B.: ein Musikstück; ein Bild; ein Roman; eine naturwissenschaftliche Theorie; ein philosophisches Lehrgebäude; eine Weltanschauung; eine Religion). Ein Ganzes baut sich aus Teilen auf. Als Teile bezeichnet man jene Komponenten eines Ganzen, die durch das Aufbauprinzip des Ganzen gefordert und gebunden sind. Den Aufbau, die Anordnung der Teile und die geordnete Gesamtheit der Zusammenhangsverhältnisse der Teile bezeichnet man als Struktur.

Ein Musikstück ist ein Ganzes: Sein Sinnprinzip kann z.B. das einer Arie sein. Von diesem Sinnprinzip werden die Akkorde, Rhythmen, Takte und Noten gefordert und gebunden. Vom Sinn des Musikstückes, vom Ganzen her, haben die Teile ihre Aufgabe, ihre Stelle und Rolle im Ganzen. Jeder Ton verwirklicht daher den Sinn der Arie an seiner Stelle.

Das Ganze und die Teile sind daher hierarchisch geordnet. Das Ganze steht oben und die Teile unten.

Zwischen dem Ganzen und seinen Teilen und den Teilen untereinander besteht ein funktioneller Zusammenhang. Der Zusammenhang und die Ordnung ist durch die Aufgaben der Teile im Ganzen bestimmt. Er ist sachbestimmt und sinnvoll.

Psychische Prozesse wie das einsichtige Lernen beziehen sich auf strukturierte Ganze mit funktionellen Beziehungen zwischen dem Ganzen und seinen Teilen.

 

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www.einsichtiges-lernen.de.de (c) Dr. Ferdinand Herget 2007